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Kreisgruppe Mannheim

Bebauungsplan Nr. 71.51 "Sullivan" in Mannheim-Käfertal

15. November 2018 | Naturschutz

Sehr geehrter Herr Elliger,

herzlichen Dank für die Übermittlung der Unterlagen zum Bebauungsplan Sullivan.

Der BUND Mannheim nimmt dazu im Namen des BUND Landesverbandes Baden-Württemberg wie folgt Stellung:

Das Plangebiet grenzt unmittelbar an das FFH Gebiet 'Sandgegiete zwischen Mannheim und Sandhausen, die Böden sind ursprünglich geprägt von Flugsanden durch die militärische Nutzung jedoch an vielen Stellen stark gestört. Trotzdem werden die snadig-kiesigen Böden, die Entwicklung der Grünflächen bestimmen.
Daher begrüßen wir die Anlage der großzügigen öffentlichen Grünflächen, die naturnah angelegt werden sollen. Einige Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge wollen wir hier einbringen:

Wirtschaftswiesen:

Für die Anlage der Wirtschaftswiesen als extensive Wiese bzw. Trockenrasen wird das Regiosaatgut der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL) 2014, Grundmischung  empfohlen. Diese Mischung beinhaltet Feuchtezeiger, die sich auf den sandigen Böden nicht entwickeln können, sowie Arten die eine Mahd nicht vertragen. Da sich diese Arten nicht dauerhaft einstellen werden kann sich mit diesem Saatgut nur eine recht artenarme Wiese entickeln. Die auf den Böden mögliche Artenvielfalt ist mit diesem Regiosaatgut nach FLL nicht zu erhalten. Wir schlagen daher vor, Saatgut des Verbands der deutschen Wildsamen- und Wildpflanzenpflanzenproduzenten e.V. (VWW) auszubringen. Die in diesem Verein zusammengeschlossenen Firmen bieten fachlich kompetent zusammengestellte Mischungen an, die gebietsheimisch und auf die Standorte angepasst sind. Damit lassen sich den speziellen Bodenverhältnissen entsprechend artenreiche Wiesen entwickeln.

Kiefernhaine:

Der Ausgleich für die Offizierssiedlung ist mit der Anlage von 13.000m² Kiefernwald trockenwarmer Standorte festgesetzt. Dieser Waldtyp ist in der lückigen Baumschicht von der Waldkiefer geprägt und wird von einer artenreichen Strauch- und Krautschicht begleitet. Die nun vorgesehene Kiefernhaine auf 12.200m² können die geforderte ökologische Qualität nicht erbringen. Unter den 11 zugelassenen Baumarten sind 4 nichtheimischen Arten, wie die Arten gewichtet werden sollen und wieviele Bäume insgesamt gepflanzt wreden sollen, ist nicht festgelegt, außer dass es mindestens 55 Kiefern sein sollen, für die Größe der Fläche ist das zu wenig. Über den Unterwuchs ist ebenfalls keine Aussage gemacht.
Wir erwarten, dass die Umsetzung angepasst wird und ein lichter Kiefernwald mit entsprechendem Unterwuchs, wie im Bebauungsplan der Offizierssiedlung festgesetzt wurde, entwickelt wird und andere heimische Baumarten höchstens vereinzelt ausgebracht werden.
Der gewählte Schwerpunkt auf den Eichen ist unter dem Aspekt der Schwarzwildpopulation im Käfertaler Wald problematisch.

Baumhaine:

Unter dem Aspekt der Biodiversität wäre es wünschenswert, nur heimische Bäume zu pflanzen, da sie für Insekten und andere Tiere überlebenswichtig sind. Das Insektensterben bewegt die Menschen und wir sollten die ästhetischen Erwartungen an einen 'Indian Summer' zurückstellen und auf heimische Arten mit roter Laubfärbung setzten, wie Mehlbeere, Eberesche und viele andere. Auf das Anpflanzen der Rotesche sollte unbedingt verzichtet werden, sie wurde vom Deutschen Verband Forstlicher Forschungsanstalten (DVFFA) als invasiv eingestuft.

Schnitthecken:

Wir haben große Zweifel, dass die Sandrasen mit einer Einfassung einer 2m breiten Schnitthecken dauerhaft erhalten werden können, da die Flächen recht schmal sind und daher von der Hecke beschattet werden. Zudem sind sehr wüchsige Arten auf der Liste, die auch Ausläufer bilden und dauerhaft nur mit sehr großem Pflegeaufwand beherrscht werden können. Außerdem stellt sich die Frage, wie der innenliegende Sandrasen freigehalten werden kann. Man könnte auch mit einer Einzäunung aus Kastanienstaketenzaun die Flächen schützen.

Neuanlage Sandrasen:

Es ist im Plan nicht erkennbar, wo die 23.000m² Sandrasen angelegt werden sollen. Diese Fläche ist von erheblicher Größe, es ist schwer vorstellbar, wie dieser empfindliche Biotop dem Nutzungsdruck dauerhaft standhalten kann. Zudem wird keine Aussage über die Methode der Anlage des Sandrasens getroffen, was aber von grundlegender Bedeung für eine erfolgreiche Entwicklung ist. Über Sukession oder Heudrusch wäre möglich, dazu braucht es erfahrenes Fachpersonal. Eigentlich müsste die Fläche auch eingezäunt werden, um die geforderte ökologische Wertigkeit zu erhalten. Sollte dies wegen der Freizeitnutzung nicht möglich sein, müssen Flächen an anderer Stelle entwickelt werden.

Dachbegrünung:

Ein nicht unerheblicher Anteil der ökologischen Wertpunkte (560.000 WP) wird mit der Dachbegrünung erreicht. Um die angesetzte hohe Wertigkeit nur annähernd zu erreichen, sollte eine Ansaat mit gebietsheimischen Arten plus Sedumsprossen festgesetzt werden, sowie eine Dachsubstrathöhe von 15 cm. Damit ist eine gewisse Artenvielfalt auf dem Dach möglich und die Regenretention wird deutlich erhöht. Sollte dies nicht erfolgen muss nach unserer Auffasung ein Punkteabzug von 16WP auf 10WP der eingeschränkten Begrünung Rechnung tragen. Nach der Biotoptypenbewertung der LUBW ist ein Spektrum zwischen 6 bis 15 WP, je nach Artenvielfalt und Substrathöhe vorgesehen. 

Waldumbau:

Grundsätzlich begrüßen wir die Entwicklung von Sandrasen.
Das Gutachten von PlanConsultUmwelt für die Anlage eines Sandrasen weist aus unserer Sicht umfangreiche Defizite auf. Hier wird der Biotoptyp nicht eindeutig beschrieben, es wird von der Entwicklung von Sandrasen, Sandtrockenrasen und Sandmagerrasen geschrieben und auf eine Artenliste hingewiesen, die uns leider nicht vorliegt, sodass wir an dieser Stelle den geplanten Biotoptyp nicht bewerten können. Die beschriebene Umsetzung der Maßnahme (S.15, 4.4) halten wir für nicht zielführend. Hier wird einerseits das Ausbringen einer autochthone Ansaat aufgeführt ohne nähere Nennung der Arten.
Des weiteren soll Mähgut aus Sandmagerrasenbeständen ausgebracht werden, hier fehlt die Herkunft des Mahdgutes festzulegen, um die gewünschte Qualität zu erhalten (den Biotoptyp Sandmagerrasen gibt es nicht, geht es um Sandrasen oder Magerrasen?). Und zudem soll die Fläche mit einer dünnen Schicht Oberboden aus Abschiebemaßnahmen aus dem Kasernengelände überdeckt werden. Das ist in zweierlei Hinsicht schlecht, erstens wird so das ausgbrachte Saatgut überdeckt und kann nur schwer oder gar nicht keimen und zweitens ist der Oberboden in der Regel mit Samen vieler Arten angereichert, die unerwünscht sind. Wir schlagen daher eine Heudruschansaat von einer gut entwickelten, artenreichen Sandrasenfläche aus dem Dossenwald pder Hirschacker vor. Die Umsetzung soll ein mit Heudrusch erfahrener Betrieb übernehmen.
Die Anwuchsgarantie über eine Vegetationszeit ist viel zu kurz, ein Sandrasen benötigt viele Jahre zur Entwicklung, sie sollte daher auf mindestens 5 Jahre festgesetzt werden. Für die ersten 1-2 Jahre muss der Bedarf für Schröpfschnitte festgesetzt werden, um das Auflaufen von nicht erwünschte Arten zu verhindern.
Bei der Bedarfsposition Entfernen von unerwünschtem Aufwuchs sollte auch auf die Entfernung der Mahonien hingewiesen werden.
Ansonsten schließen wir uns der Stellungnahme des Umweltforums Mannheim an.

Fledermäuse:

Die Fledermäuse wurden in 7 einstündigen Begehungen von 7.4 bis 9.6.2015 untersucht. 

In den 7 abendlichen Begehungen konnten aufgrund der kürze der Zeit keine belastbaren Daten zum Gesamtvorkommen der Fledermäuse erfasst werden. Für eine sorgfältige Untersuchung des Gebietes werden mehrere Stunden benötigt, um die Jagdaktivitäten möglichst aller Arten zu erfassen und mögliche Wochenstuben zu verorten. Die Wochenstubenzeit der Fledermäuse erstreckt sich von Mai bis Juli, der Untersuchungszeitraum hat somit nur einen Teil des Zeitfensters erfasst. Zwergfledermaus und Breitflügelfledermaus wechseln zudem gerne ihre Wochenstube, sodass eine Untersuchung des gesamten Zeitraums nötig ist, um belastbare Ergebnisse zu erhalten. Die Untersuchung des Gebietes in der Paarungszeit im Herbst und zur Zugzeit fehlt ebenfalls. Trotzdem wurden 7 Fledermausarten nachgewiesen. Um mögliche Lebensraumzerstörungen von Baum- oder Gebäudequartieren zu ersetzten sollten unbedingt mehr als die 4 festgesetzten Flachkästen aufgehängt werden. Andreas Zahn und Matthias Hammer (2017) empfehlen in 'Anliegen Natur' nur Kastengruppen von 10 Stück aufzuhängen, um eine Besiedlung zu ermöglichen. Von daher schlagen wir 4 Kastengruppen von je 10 Flachkästen vor. Gleichzeitig sollten auch Maßnahmen zur Entwicklung von natürlichen Quartieren begleitet werden.

Neophyten

Sehr häufig werden bei Baumaßnahmen über kontaminierte Baumaschinen Neophyten, vor allem Fallopia spec., eingeschleppt. Deshalb sollte bei sämtlichen Baumaßnahmen eine Nachkontrolle und dauerhaftes Entfernen von Neophyten in die Ausschreibung mit aufgenommen werden. Des Weiteren schließen wir uns den Stellungnahmen des NABU Mannheim und Umweltforum Mannheim an. Der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg e.V., vertreten durch den Arbeitskreis Mannheim, Heidelberg, Rhein-Neckar schließt sich dieser Stellungnahme an.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Schuy, Gabriele Baier 

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